"Edel, stylisch und schwer reinzukommen" waren die Attribute, die mir als erstes in den Sinn kamen, als ich mir ein paar Bilder des Club Indochine angesehen hatte. Erst die Gewissheit, auf der Gästeliste zu stehen, veranlasste mich, die lange Fahrt auf mich zu nehmen. Wär ja auch nicht unbedingt prickelnd gewesen, aufs gerade Wohl dort hin zu fahren und dann mitten in Zürich zu stehen, weil man nicht rein gekommen ist. Logisch war, daß der Reiseantritt dieses mal früher sein würde, als an anderen Samstagen. Ich rechnete mit drei Stunden Fahrzeit, was vielleicht auch hingekommen wäre. Leider Stellte der schweizer Grenzbeamte vor mir fest, daß mein Personalausweis abgelaufen war. Das und die Aussage, daß wir nach Zürich zum Feiern wollen veranlasste den freundlichen Beamten mein Auto mal etwas zu durchstöbern, ob wir auch keine chemischen Hilfsmittel an Bord hatten. Als er bemerkte, daß uns diese Aktion eher cool ließ, verwarf er den gedanken und schickte mich zur Grenzpolizei, um mir einen Ersatzpaß ausstellen zu lassen. Nach der halben Stunde, die uns diese Aktion wohl gekostet hat, war unser Ziel in greifbare Nähe gerückt: nur noch eine Stunde bis Zürich! Die wachsende Vorfreude und die laute Musik aus der Anlage meines Gefährts sorgten dafür, daß auch dieser Zeitabschnitt wie im Flug vergehen sollte. In Zürich hielten wir kurz an, suchten nach einer Orientierungshilfe und fuhren dann aber doch so weiter. Wie sich wenige Minuten später herausstellte, waren wir schon auf dem richtigen Weg und das Ziel war erreicht. Nachdem wir das richtige "Lösungswort" nannten (was auf der Liste des Personals am Eingang stand) durften wir den Club betreten. Eine wirklich beeindruckende Athomsphäre offenbarte sich uns. Das Wort "Edelclub" wurde von dem Moment des Betretens neu definiert. Von der Location, über die Bedienungen, bis hin zum Publikum war hier wirklich alles augenschmeichelnd. Schon bald machte sich die lange Fahrt bezahlt... Könnte es eine schönere Belohnung geben, als Colette wieder zu sehen?! Sie war wohl etwas überrascht, mich in der Schweiz anzutreffen. Zuerst dachte ich, daß die beiden Franzosen in der House-Vergangenheit leben würden, es stellte sich aber bald heraus, daß die beiden wohl eher zur Hip-Hop-Fraktion zählten. Das war aber kein Problem, da ja Colette für den richtigen Sound sorgen würde. Den ersten bewundernden Blick, den Colette bei den Schweizern auslöste war wohl ihrem recht angenehmen Äußeren zu verdanken. Die Begeisterung loderte allerdings erst in ihren Augen auf, als die süße Amerikanerin mit ihrer Plattensammlung und mit ihrer Engelsstimme für die Beschallung sorgte. Ich frage mich nur, ob an diesem Abend in der Schweiz neue House- oder Colette-Fans erschaffen wurden. Sehr bald schon war die erste Runde der anspruchsvollen Houseklänge vorbei. Bis zur zweiten Runde ließen wir die angenehme Umgebung auf uns wirken und beobachteten die Schweiz beim Feiern. Wer hier Einlass fand, hatte einen Grund bei den Freunden damit anzugeben. Nach einem Abstecher in die Members-Area mischten wir uns wieder unters Volk und suchten verzweifelt nach Platz, um Colette bei ihrem zweiten Teilstück das gebührende Feedback durch rhytmische Bewegungen zu geben. Schon bald war der Abend dann vorbei, auch wenn er von mir aus ewig hätte gehen können. Die Heimreise war - wenn man vom ständigen Kampf mit dem Schlaf absieht - eher unauffällig. Leider vermitteln die Bilder nicht ganz die Eindrücke das Abends.