Den Bremsenstaub noch unter den Fingernägeln schwang ich mich unter die Dusche und machte mich ausgehfertig, um mir mal anzuschauen, was die Villa3 so alles zu bieten hat. Daß Junior Jack und Kid Creme für diesen Abend gebucht waren, gab mir natürlich auch die Gelegenheit, deren musikalische Fertigkeiten außerhalb des Produktionsstudios kennenzulernen. Wenn ich ehrlich bin, löste der Gadanke, Junior Jack und Kid Creme zum ersten mal hören zu können nicht unbedingt eine überwältigende Euphorie bei mir aus. Es war eher die Gesamtheit des Abends, die mich reizte.
Als ich mein Gefährt auf dem Parkplatz possitioniert hatte und den Laden betreten hatte kam ein gewisses Nostalgiegefühl auf. Ich wurde plötzlich an die Zeit erinnert, als mein Führerschein noch druckfrisch war und ich die ein oder andere Großraumdisco begutachtet hatte. Auch wenn ich meine Mainstream-Zeit nicht bereuhe will ich sie im Moment nicht noch einmal durchleben. Der Eindruck vom materialisierten Kommerz war erdrückend. Das Publikum, das den Eingangsbereich passierte war anscheinend eine Mischung aus Stammgästen dieser Location (wie ich sie mir vorstelle) und ein paar Leuten der lokalen House-Szene. Trotz der unmittelbaren Nähe zur Heimat waren nur wenige bekannte Gesichter zu erkennen. Die Musik, die mir beim WarmUp zu Ohren kam rundete das zuvor gestaltete Bild der Location wunderbar ab. Ich überlegte ernsthaft, meine Zelte abzubrechen, auf die beiden Hauptakteure zu verzichten und in nördlicher Richtung aufzubrechen. Ich entschied mich dann aber doch, dort zu bleiben, auf meine Freunde zu warten und zu hoffen, daß sich die musikalische Gestaltung im Laufe des Abends noch bessern würde. Als sich am frühen Abend wohl noch die Sicherung der Anlage verabschiedete konnten sich meine wählerischen Öhrchen noch ein wenig erholen. Als die Gäste dann ihre Plattentaschen über die Tanzfläche in Richtung ihres Arbeitsplatzes tragen ließen war schon gut was los und zumindest die Zahl der Feierwilligen stimmte schonmal. Nachdem dann auch die beiden namenhaften DJ's im Wechsel ihrer Berufung folgten wurde die Beschallung zumindest etwas besser. Ein paar Stücke, die sie aus den Plattentaschen kramten waren nicht ganz so totgespielt. Ich versuchte das Beste aus dem Abend zu machen. Ich bewegte mich ein bisschen, wenn es mir erlaubt war und begutachtete die zahlreichen Sehenswürdigkeiten. Die Villa3-Nacht war fast überstanden, als ein paar hartgesottene überlegten, noch auf einen Sprung im Lagerhaus vorbei zu schauen. Gedanken, ob sie mich in die Villa lassen, werde ich mir so schnell keine mehr machen müssen. Da muß schon was ganz besonderes kommen, daß ich mir den Club wieder antue.
Als die allgemeine Verwirrung der Wegüberwindung zum Lagerhaus überwunden war, standen wir dann doch irgendwann vor dem Lagerhaus und durften es sogar für ein kleines Entgelt betreten. Auch wenn drin noch nichts im Gange war, konnte man davon ausgehen, daß es bergauf geht. Zu hören gab es dort dann klare Technosounds - manchmal progressiv, manchmal eher allgemeinverträglich. Für mich war das eine gute Gelegenheit, richtig zu feiern und mich von der Musik mitreißen zu lassen. Der bevorstehende Start des Formel1-Rennens bewegte mich dann kurz vor acht diese Partynacht zu beschließen. Vom Lagerhaus hab ich leider keine Bilder gemacht, da meiner Cam vor mir der Saft ausgegangen ist...